Die Überschrift "Duftstoffe quo vadis?" mit der Abbildung von vier Duftöl-Flaschen auf hellblauem Hintergrund.

Duftstoffe – Quo vadis?

,

Duftstoffe begegnen uns in Innenräumen nahezu überall: in Kerzen, Weichspülern und Waschmitteln, Raumsprays oder Parfums. Aber was ist überhaupt ein Duftstoff? 

Der Geruch, den wir als Duft wahrnehmen, besteht typischerweise nicht aus einer, sondern einem Gemisch aus mehreren Dutzenden bis Hunderten chemischen Verbindungen. 

Natürliche oder künstliche Duftstoffe?

Viele Produkte werben mit “natürlichen” Duftstoffen, “echten, ätherischen Ölen” und versuchen sich abzugrenzen von vermeintlich minder qualitativen “künstlichen” Duftstoffen. Doch wo liegt eigentlich der wirkliche Unterschied? 

Natürliche Duftstoffe werden direkt aus pflanzlichen oder anderen natürlichen Rohstoffen gewonnen – häufig in Form von ätherischen Ölen. Zu diesen gehören z.B. Citral, Linalool oder Geraniol. Diese liegen in hochkonzentrierter Form vor und gelten als stark allergen, weswegen sie einer gesetzlichen Deklarationspflicht unterliegen. Ihre natürliche Herkunft bedeutet also keineswegs, dass sie automatisch gut verträglich oder gesundheitlich unbedenklich sind. 

Synthetische Duftstoffe hingegen werden im Labor hergestellt. Dabei werden entweder die in der Natur vorkommenden natürlichen Duftmoleküle chemisch nachgebaut oder neue Duftstoffe entwickelt. Aus chemischer Sicht ist das Molekül identisch, unabhängig davon, ob es direkt aus der Pflanze extrahiert oder im Labor erzeugt wurde. 

Gesundheitliche Probleme durch Wohnraumdüfte

Egal ob natürlicher oder synthetischer Duftstoff: beide setzen flüchtige organische Verbindungen (VOC) frei, darunter Terpene und Phtalate, die als gesundheitlich bedenklich gelten. Diese Stoffe reichern sich in der Raumluft an und können insbesondere in geschlossenen Innenräumen zu einer erhöhten Belastung führen. Einige dieser Stoffe binden zusätzlich an Ozon in der Luft und bilden sekundäre Reaktionsprodukte wie z.B. Formaldehyd, das als reizend und ebenso gesundheitsschädlich gilt. 

Die daraus resultierenden, dominierenden Gesundheitsprobleme sind: 

  • Auslösen neuer Allergien
  • Verschlimmerung bestehender Allergien und Asthma 
  • Atembeschwerden
  • Schleimhautirritationen
  • Hautbeschwerden
  • neurologische Probleme
  • Migräne & Kopfschmerzen

Besondere Gefahr für Haustiere 

Tiere wie Hauskatzen verbringen meist noch mehr Zeit im selben Raum und haben begrenzte Möglichkeiten, belastenden Umgebungen auszuweichen. Dadurch sind sie den Duftstoffen und deren Reaktionsprodukten kontinuierlich ausgesetzt. 

Durch ihren feinen Geruchssinn sind die für uns Menschen als angenehm empfundenen Mengen Duftstoffe bereits höchstgradig unangenehm. Zusätzlich führt ihre geringere Körpermasse dazu, dass vergleichbar aufgenommene Mengen an VOC zu einer relativ höheren Dosis pro Kilogramm Körpergewicht als bei Menschen führen. Dies kann dazu führen, dass physiologische Wirkungen früher auftreten können, auch wenn zunächst keine unmittelbar sichtbaren oder akuten Symptome erkennbar sind. Subtile oder langfristige Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere können nicht ausgeschlossen werden.

Fazit 

Duftstoffe tragen somit wesentlich zur chemischen Belastung und der Qualität der Innenraumluft bei, unabhängig davon, ob sie natürlichen oder synthetischen Ursprungs sind. Anstatt schlechte Gerüche mit parfümierten Produkten zu überdecken, empfiehlt es sich daher, regelmäßig auf ein ausreichendes Lüften der Innenräume zu achten. 

Quellen

Uhde, E. & Schulz, N (2015): Impact of room fragrance products on indoor air quality. Atmospheric Environment. (https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1352231014008796)

Steinemann, Anne (2021): The fragranced products phenomenon: air quality and health, science and policy. Air Quality, Atmosphere & Health. (https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s11869-020-00928-1.pdf)

Steinemann, Anne C.(2008): Fragranced consumer products and undisclosed ingredients. Environmental Impact Assessment Review. (https://national-toxic-encephalopathy-foundation.org/undisclosed.pdf)

Kazemi, Z. et al. (2021): Evaluation of pollutants in perfumes, colognes and health effects on the consumer: a systematic review. Journal of Environmental Health Science and Engineering. (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9163252/pdf/40201_2021_Article_783.pdf)

https://www.newswise.com/articles/unplug-indoor-pollutants-for-a-breath-of-fresh-air-allergists-say-home-fragrance-products-may-cause-respiratory-problems

Klaschka (2020): “This perfume makes me sick, but I like it.” Representative survey on health effects associated with fragrances. Environmental Sciences Europe. (https://link.springer.com/content/pdf/10.1186/s12302-020-00311-y.pdf)

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert