Wenn die Klimaautomatik unbemerkt die Frischluftzufuhr stoppt – das unterschätzte Sicherheitsrisiko
Fürth, 26. Juli 2026 Auf dem Weg in den Urlaub fährt im vollbesetzten Auto nicht nur die Familie mit, sondern auch die Atemluft. Diese bleibt an heißen Tagen mit voll aufgedrehter Klimaanlage aber oftmals auf der Strecke – mit ungeahnten Folgen für die Sicherheit. Einige Klima-Automatiken schalten bei großen Temperaturunterschieden unbemerkt in den Umluft-Modus. Die Folge: Die Kohlendioxidkonzentration (CO2) im Innenraum steigt sehr schnell an. Die DAGL weist auf Risiken durch Konzentrationseinschränkungen und Müdigkeit hin und gibt konkrete Ratschläge für eine sichere Fahrt und einen entspannteren Start in den Urlaub.
Die automatische Umstellung: Darum wird Umwälzung statt Frischluftzufuhr zu einem Sicherheitsrisiko
Um an heißen Sommertagen Energie zu sparen und den Fahrzeuginnenraum möglichst schnell auf die gewünschte Wohlfühltemperatur zu kühlen, nutzen manche moderne Fahrzeugsteuerungen einen technischen Kniff: Sie schalten selbstständig und ohne expliziten Hinweis im Cockpit von Frischluft- auf Umluftbetrieb. Das bedeutet, dass keine frische Außenluft mehr zugeführt, sondern die vorhandene Innenraumluft im Kreis umgewälzt wird. Was thermodynamisch sinnvoll ist und den Energieeinsatz reduzieren soll, kann jedoch innerhalb kürzester Zeit unerwünschte Folgen für Aufmerksamkeit, Konzentration und damit auch für die Fahrsicherheit haben.
Rechenbeispiel: So schnell wird die Luftqualität im Auto kritisch
In einem durchschnittlichen Mittelklassewagen (ca. 4 Kubikmeter Innenraumvolumen) atmen vier Mitfahrende im Ruhezustand rund 80 bis 100 Liter CO2 pro Stunde aus. Das entspricht etwa 1,5 Litern pro Minute. Während der CO2-Gehalt der frischen Außenluft bei rund 420 ppm (parts per million) liegt, reichert sich das CO2 im Auto unter Umluftbetrieb der Klimaanlage bereits nach knapp 5 Minuten auf rund 800 ppm an. Nach etwa 15 bis 20 Minuten wird ein Wert von 3.000 ppm erreicht – zum Vergleich: dieser Wert steht für die berüchtigte, extrem drückende “Kopfschmerz-Luft” in einem seit Stunden unbelüfteten Klassenraum. Hier stellt sich Müdigkeit ein und die Leistungsfähigkeit wird massiv reduziert. Unter diesen Bedingungen zu lernen, ist schon schlimm genug. Bei Tempo 130 km/h auf der Autobahn ein Fahrzeug zu führen, wird so aber zu einem Sicherheitsrisiko – für Mitfahrende wie auch für andere Verkehrsteilnehmende.

CO2: Ein oft unterschätzter Faktor auf langen Autofahrten
Das Tückische an einer hohen CO2-Konzentration ist ihre Unsichtbarkeit. Kohlendioxid ist geruch-, geschmack- und farblos. Die Symptome treten schleichend auf: leichtes Unwohlsein, gefolgt von nachlassender Konzentration, schweren Augenlidern und einer spürbar verlängerten Reaktionszeit. Im schlimmsten Fall droht der gefürchtete Sekundenschlaf.
„Viele Autofahrer*innen führen ihre Müdigkeit auf langen Strecken ausschließlich auf die Monotonie der Autobahn oder die Hitze zurück. Dass sie in Wirklichkeit in einer regelrechten CO2-Falle sitzen könnten, ist den Wenigsten bewusst. Wer die Klimaanlage aus falschem Komfortdenken auf frostige 18 Grad stellt, während draußen 35 Grad herrschen, provoziert den automatischen Umluft-Modus und damit hohe CO2-Werte“
warnt Florian Weber, Vorstandsmitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Lufthygiene.
Drei goldene Regeln für eine sichere Urlaubsfahrt
Die DAGL empfiehlt Autofahrenden dringend, die folgenden Maßnahmen zu beherzigen, um Sicherheitsrisiken für die Urlaubsfahrt zu reduzieren:
- Die richtige Temperatur einstellen: Wählen Sie die Innentemperatur maximal 8 – 10 Grad kühler als die Außentemperatur. Dies verhindert bei den meisten Fahrzeugmodellen, dass die Klimaautomatik dauerhaft in den Umluftbetrieb schaltet. Zudem schont es den Kreislauf beim Aussteigen.
- CO2-Wächter als Reisebegleiter: Mobile, kompakte CO2-Messgeräte (häufig klein, kostengünstig und mit USB-Anschluss erhältlich) bieten eine verlässliche Kontrolle. Sobald das Gerät einen Wert von 1.000 ppm anzeigt, sollte manuell die Frischluftzufuhr erhöht werden oder durch ein kurzes Öffnen der Fenster quergelüftet werden, bis sich ein Wert unterhalb von 600 ppm einstellt. Ohne Messgerät ist es nicht möglich, das richtig einzuschätzen.
- Manuelle Kontrolle des Umluft-Knopfes: Werfen Sie bei Hitzeperioden regelmäßig einen Blick auf die Bedieneinheit der Klimaanlage. Leuchtet die Umluft-Taste permanent, obwohl Sie diese nicht gedrückt haben, steuern Sie manuell gegen und erzwingen Sie die Frischluftzufuhr. Spätestens alle zwei Stunden sollte ohnehin eine aktive Pause außerhalb des Fahrzeugs und möglichst im Schatten eingelegt werden.



Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!