Pressemittelung: Saubere Luft für unsere Zukunft
Fürth, den 8. November 2026 Deutschland befindet sich in einer Zeit der Weichenstellungen. Der Hitzesommer hat verdeutlicht, dass der Gebäudebestand dringend an ein Leben unter veränderten Klimabedingungen angepasst werden muss. Eine besondere Verantwortung trägt die Politik für ein gesundes Aufwachsen und gute Bildung unserer Kinder. Hierfür braucht es geeignete Rahmenbedingungen.
Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Lufthygiene e.V. fordert zusammen mit zahlreichen Unterstützenden aus Medizin, Wissenschaft und Zivilgesellschaft verpflichtende Hygienevorschriften für Innenraumluft in Schulen und Kitas von der Bundesregierung und den für Bildung zuständigen Landesministerien.
Für dieses Ziel ist am 8. November 2026 der Offene Brief “Saubere Luft für unsere Zukunft: Verpflichtende Lufthygiene in Kindertagesstätten und Schulen sichern!” auf der Petitionsplattform openpetition.de veröffentlicht worden.
Warum es saubere Innenraumluft für unsere Zukunft braucht
Studien unter Realbedingungen zeigen, dass die von der WHO und dem Umweltbundesamt als unbedenklich eingestuften Werte für CO2 in Innenräumen in Bildungsstätten sehr regelmäßig und oft um ein Vielfaches überschritten werden, weil keine ausreichende Frischluftzufuhr erfolgt. Die Einhaltung dieser auch arbeitsschutzrechtlich festgelegten Richtwerte wird dort, wo keine CO2-gesteuerte Raumlufttechnik oder dezentrale CO2-Messung im Einsatz ist, nicht überwacht und folglich in der Realität vernachlässigt.
Lüften allein löst das Problem gesunder Innenraumluft nicht. Mit der Zufuhr von Frischluft gelangen z.B. Feinstaub und Allergene aus der Außenluft in die Innenräume. Die Richtwerte der WHO für das Tagesmittel an Feinstaub der Partikelgröße PM10 und besonders in der gesundheitlich noch bedenklicheren Partikelgröße PM2,5 werden in Deutschland sehr häufig überschritten. Die zunehmende Kontamination der Luft mit Mikroplastik trägt dazu bei. Der Klimawandel bedingt eine weitere Zunahme von Feinstaub und Allergenen. Diese verbinden sich miteinander und lösen immer heftigere Immunreaktionen aus, die das Epithel schädigen und Infektionen mit Krankheitserregern fördern. Die DAGL fordert daher, auch gesetzlich festgeschriebene Grenzwerte für Feinstaub in Innenräumen von Bildungseinrichtungen zu erlassen und deren Einhaltung zu dokumentieren und durch Luftreinigung verpflichtend sicherzustellen.
Prävention – eine sinnvolle Investition
Die Mittel aus dem 2025 beschlossenen Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sollten das Thema gesunde Innenraumluft unbedingt adressieren. Damit wir als Gesellschaft unserer besonderen Verantwortung für die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen, aber auch für Beschäftigte im Bildungswesen, gerecht werden. Saubere Luft hat einen ebenso hohen Stellenwert für unsere Gesundheit wie sauberes Trinkwasser. Deshalb sind Präventionsmaßnahmen auch hier geboten und reduzieren die dramatischen Folgekosten schlechter Innenraumluft durch Produktivitätsausfälle und die Belastungen des Gesundheits- und Sozialversicherungssystems durch chronische Krankheit massiv.
Bei der Installation von Klima- und raumlufttechnischen Anlagen in Neubau und Bestandsnachrüstung muss die adäquate Filterung der Innenraumluft mitbedacht werden und diese andernfalls über dezentrale Messsysteme und Luftreiniger gesichert werden.
Zahlreiche Studien belegen den enormen wirtschaftlichen Nutzen von Investition in Raumlufthygiene – abgesehen vom unmittelbaren Impuls für den Mittelstand durch ein Investitionsprogramm – und beziffern den Return on Investment in Größenordnungen bis zum Faktor 60.
Die Debatten in Deutschland drehen sich um so vielfältige Probleme wie eine lahmende Wirtschaft; schlechte Ergebnisse im internationalen Bildungsvergleich; zu hohen Krankenstand in der Infektsaison; hohen Kostendruck im Gesundheits- und Sozialversicherungssystem durch chronische Krankheit; unzureichend an den Klimawandel angepasste öffentliche Gebäude; Überlastung von Heranwachsenden, Familien und Care- Arbeit Leistenden; Fachkräftemangel im Bildungsbereich; fehlende Chancengleichheit im Bildungssystem mit Diskrimierung von Menschen, die von Armut oder chronischer Krankheit betroffen sind; frauenpolitischen Nachholbedarf – Probleme, die eine gemeinsame Schnittmenge aufweisen: all diese Missstände können durch eine Verbesserung der Innenraumluftqualität in öffentlichen Bildungsstätten adressiert werden.
Deutschland braucht verbindliche Grenzwerte für CO2 und Feinstaub in Bildungsstätten. Um deren Einhaltung sicherzustellen, muss in die zur Messung und Luftreinhaltung nötige technische Infrastruktur investiert werden. Für unsere Kinder und unsere Zukunft.
Die Erstunterzeichnenden des offenen Briefes sind in alphabetischer Reihenfolge:
Einzelpersonen
- Bernhard Bathiany, Studiendirektor a.D.
- Cornelia Beeking, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
- Dr. Felicitas Bergmann, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
- PD Dr. Christine Blome, Versorgungsforscherin mit Schwerpunkt postinfektiöse Erkrankungen
- A. Böhnke, Gynäkologin
- Nastassja Bleyer, Psychologin, https://ccounselling.org/ (Carnivora)
- Ronja Büchner, M.Sc. Psychology, Leipzig University
- Dr. Ulrike Contzen, Ärztin und Mikrobiologische Therapeutin
- Dr. Jörg Danzer, Dipl.-Geoökologe & Sachverständiger Gefahrenbeurteilung, 1. Vorsitzender DAGL e.V.
- Britta Domke, Leitende Redakteurin, Harvard Business Manager
- Mirco Drewes, Journalist
- Dr. Fabian Fritz, Research Associate, Uni Siegen
- Dr. Nico Golde, Informatiker
- Kathrin Grossmann, Sozialpädagogin
- Ingrid Beate Hasenhündl, Aktivistin für Prävention und Gesundheit
- Johann Huber, Vater von 2 Grundschulkindern
- A. Kalz, Dipl.-Informatiker (FH)
- Christian H. Klosz, Filmkritiker, Publizist, Journalist
- Martin Konold, Dipl.-Physiker & Unternehmer
- Florian Krautwurm, IT Program Manager
- Prof. Dr. med. Mandy Mangler, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin des Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum & der Klinik für Gynäkologie – Vivantes Klinikum Neukölln
- David Matusiewicz, FOM / Gesundheitsökonomie
- Mirja Lisa Nicolas, M.Ed., Uni Leipzig
- Dorothée Remmler-Bellen, Vorstandsvorsitzende des Berufsverband der Präventologen e.V.
- Dr. Herbert Renz-Polster, Kinderarzt & Autor
- Dr. Špela Šalamon (MD, PhD), Fachärztin für Nuklearmedizin
- Dennis Scheller, Diplom Betriebswirt (FH), postinfektiös erkrankt
- Dr. med. univ. Golda Schlaff, Senior Scientist | Zentrum für Public Health, Medizinische Universität Wien
- Johannes Schmidt, Gymnasiallehrer
- Prof. Dr. Georg Schomerus, Universität Leipzig
- Kristina Schormann, Bankkauffrau, 2. Vorsitzende DAGL e.V.
- Nora Schumann, Studienrätin
- Jasmin Subklewe, vormals Lehrerin, jetzt pflegende Mutter
- Annika & Thorsten Sudmann (staatlich geprüfter Techniker der Elektrotechnik), Eltern
- Melanie Thaler und Burghilde Wieneke-Toutaoui, VDI Netzwerk Frauen im Ingenieurberuf
- Dr. Rutger Verbeek, Professor (em.) für Informatik
- Florian Weber, Dipl.-Ingenieur, Schatzmeister DAGL e.V.
- Prof. Heidrun Wiesenmüller M.A., Informationswissenschaftlerin
Verbände
- Berlin Buyers Club, Health Art Activists
- Deutscher Ärztinnenbund e.V.
- Empty Stands
- #Intitiative Liegenddemo
- Landesschülerrat Sachsen-Anhalt
- Liegenddemo Karlsruhe
- Liegenddemo Köln
- ME-Hilfe e.V., Gemeinnütziger Verein für die Unterstützung von ME/CFS-Betroffenen und Angehörigen
- Patientenorganisation NichtGenesen
- SafeAir e.V. – Fachgesellschaft für Lufthygiene & Infektionsschutz Deutschland
- Selbsthilfegruppe ME/CFS Ulm & Neu-Ulm (Team Science)
- Verein für Wasser-, Boden- und Lufthygiene e.V.





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